Methodik

OKR vs. KPI

KPIs zeigen den Gesundheitszustand – den Puls des Geschäfts. OKRs setzen für einen Zyklus einen Fokus und verändern genau einen Teil davon. Wer beides gegeneinander ausspielt, verliert eins von beiden – hier steht, worin sie sich unterscheiden, wie sie zusammenspielen und woran man die typische Verwechslung erkennt.

Kurz

Der Unterschied in einem Satz

KPI ist der Gesundheitszustand, OKR der Fokus für diesen Zyklus.

KPI – Gesundheitszustand und PulsEin Key Performance Indicator misst dauerhaft eine Kennzahl, die für euer Geschäft wichtig ist: Umsatz je Kunde, Auslastung, Fehlerquote, Fluktuation. Er läuft weiter, ob ihr euch gerade darum kümmert oder nicht, und hat meist einen Normalbereich statt eines Zielwerts. Genau deshalb sind KPIs auch Health Indicators: Sie zeigen, ob das Geschäft gesund bleibt, während ihr an etwas anderem arbeitet.
OKR – Fokus und VorsatzEin OKR-Set beschreibt, was ihr in den nächsten etwa drei Monaten verändern wollt: ein Objective als Zielzustand, Key Results mit Basis- und Zielwert. Danach endet das Set – die Kennzahl bleibt, der Vorsatz nicht.

Faustregel: Wenn ihr eine Zahl abschaffen würdet, sobald sie gut ist, war sie ein Key Result. Wenn ihr sie weiter beobachtet, war sie ein KPI.

Vergleich

OKR und KPI nebeneinander

Dieselben Zahlen, unterschiedliche Rolle.

MerkmalKPIOKR
ZweckZustand messen und überwacheneinen Zustand gezielt verändern
Rolle im ZyklusHealth Indicator: darf sich nicht verschlechtern, während ihr am Fokus arbeitetVeränderungsziel: genau hier wollt ihr etwas bewegen
Zeitraumdauerhaft, oft über Jahreein Zyklus, typischerweise drei Monate
Anzahlje Bereich eine Handvoll, im Unternehmen schnell zweistelligein Objective mit bis zu vier Key Results je Team und Zyklus
ZielwertNormalbereich oder Schwelle („unter 3 %")Basiswert und Zielwert für diesen Zyklus („von 46 % auf 65 %")
Herkunftaus Geschäftsmodell und Steuerung, oft top-down gesetztvom Team aus der Strategie abgeleitet und selbst formuliert
Ambitionrealistisch, planbaranspruchsvoll, 70–80 % Zielerreichung gelten als Erfolg
Verbindung zu Gehalthäufig Teil von Zielvereinbarungenbewusst nicht – sonst werden die Ziele kleiner formuliert
RhythmusDashboard, monatliches oder laufendes ReportingPlanning, wöchentliches Weekly, Review und Retro
Was danach passiertläuft weiterdas Set endet, Erkenntnisse gehen ins nächste
Zusammenspiel

Wie beides zusammenarbeitet

KPIs liefern den Anlass, OKRs die Veränderung.

In der Praxis beginnt ein guter OKR-Zyklus bei den KPIs. Ihr schaut auf das Dashboard und seht, welche Kennzahl aus dem Rahmen fällt oder welche für die Strategie der nächsten Jahre entscheidend ist. Genau dieser KPI wird für einen Zyklus zum Key Result – mit einem Basiswert aus dem Dashboard und einem Zielwert, den ihr euch vornehmt. Ist der Zyklus vorbei, rutscht die Kennzahl zurück in die Überwachung.

Die übrigen KPIs bleiben bewusst außerhalb des Sets und dienen als Health Indicators: Sie stehen nicht im Fokus, dürfen sich aber auch nicht verschlechtern. Wenn die Erstlösungsquote steigt, während die Zufriedenheit abrutscht, habt ihr das Ziel erreicht und das Geschäft trotzdem geschwächt – genau dafür schaut ihr im Weekly auch auf die Kennzahlen, die ihr euch nicht vorgenommen habt.

Deshalb steht auf dem OKR Canvas über dem OKR-Set ein eigenes Feld für bis zu drei Key Performance Indicators. Das Set steht nie allein, sondern unter der strategischen Initiative und den Kennzahlen, aus denen es abgeleitet ist – nachzulesen auf der Seite zur OKR Vorlage.

Beispiel: aus KPI wird Key ResultKPI „Erstlösungsquote im Service" liegt seit Monaten bei 58 % und damit unter dem eigenen Anspruch. Für einen Zyklus wird daraus das Key Result „Erstlösungsquote von 58 % auf 75 % erhöht". Danach ist sie wieder eine Zahl im Dashboard – hoffentlich auf höherem Niveau.
Beispiel: KPI bleibt KPIDie Fluktuationsquote beobachtet ihr dauerhaft. Solange sie im Rahmen liegt, braucht es kein OKR dafür. Ein Team, das gerade an der Einarbeitung arbeitet, nimmt sich stattdessen ein Key Result wie „Anteil der neuen Kolleginnen und Kollegen, die nach 30 Tagen eigenständig arbeiten können, von 54 % auf 85 % erhöht".
Abgrenzung

Key Result, KPI, Metrik und Task

Vier Begriffe, die im Alltag durcheinandergehen.

BegriffWas es istBeispiel
Metrikeine messbare Größe, erst einmal ohne BewertungAnzahl Erstgespräche pro Monat
KPIeine Metrik, die ihr dauerhaft beobachtet, weil sie für die Steuerung zähltErstgespräche pro Monat, laufend im Vertriebsdashboard
Key Resulteine Wirkungskennzahl (Outcome) mit Basis- und Zielwert für genau diesen ZyklusTerminquote in der Bestandskundenansprache von 9 % auf 20 % erhöht
Outputwas ihr liefert – nie ein Key Result, sondern Teil der TasksGesprächsleitfaden fertig, CRM eingeführt
Taskdie Arbeit, mit der ihr das Key Result angehtGesprächsleitfaden schreiben, zwei Pitch-Trainings halten

Dieselbe Zahl kann also je nach Rolle KPI oder Key Result sein. Entscheidend ist nicht die Kennzahl, sondern was ihr mit ihr vorhabt.

Stolperfallen

Typische Verwechslungen

Woran OKR-Einführungen im ersten Jahr scheitern.

Vollständige Sets mit Objective, Key Results und Tasks für sechs Bereiche stehen unter OKR Beispiele.

Von der Kennzahl zum Key Result

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